Der Film “Water makes money” von Leslie Franke und Herdolor Lorenz macht derzeit Furore. Er deckt die nahezu mafiösen Strukturen auf, mit denen zwei der größten “Umweltdienstleister”, Veolia und Suez, mit dem wohl wichtigsten Lebenselement Wasser Profit machen. Mit steigendem Ekel müssen wir erkennen, wie die Profilierungssucht führender Politiker und Manager durch diese Konzerne gegen die Bevölkerung ausgespielt wird. Der Film erhält dafür allenthalben die Prädikate “wichtig” oder “mutig”. Für uns stellt sich allerdings die Frage, was diesen Film eigentlich zu einem Film macht. Die Antwort ist so einfach wie falsch: bewegte Bilder. Diese sind für alles, was der Film mitteilen möchte und anzustoßen vermag, vollkommen irrelevant. Ein einfacher Selbstversuch kann dies zeigen. Die Reduktion des Filmes auf seine Tonspur führt zu der Erkenntnis, dass es ausreichte, die Bildunterschriften zusätzlich einzusprechen, um ein brauchbares Radiofeature zu machen. Warum also ein Film? In den Bildern lässt sich keine Antwort finden. Sie stellen lediglich immer wieder die Quittung für Orte und ProtagonistInnen aus. Der Bürgermeister spricht, wir sehen den Bürgermeister; der ehem. Angestellte spricht, wir sehen den ehem. Angestellten; es geht um die Soundso-Stadt, wir sehen mehr oder weniger ambitionierte Ansichten der Soundso-Stadt. Natürlich, es geht um Wasser, also dürfen Brunnen, Flüsse, Wasserfälle und so weiter nicht fehlen. Wir wissen, die Leute ließen sich filmen, während sie sagten, was sie zu sagen haben. Aber würde es nicht genügen, diese Quittung in irgendeine Schublade zu legen, falls mal jemand fragt? Sieh her, dieses Video beweist, dass wir es tatsächlich mit dem Bürgermeister von Braunschweig zu tun hatten. Niemand wird jemals an diese Schublade wollen, weil niemand die Authentizität der Information auf dieser Ebene bezweifeln wird (außer ein paar ganz abgebrühte Verschwörungstheoretiker).
Warum Film? Offenbar aus einem seltsam abgeschmackten pädagogischen Bedürfnis heraus. Die Leute schalten nun mal eher die Glotze ein, als die Aufmerksamkeit auf Radio oder Text zu fokussieren. Film nimmt nahezu alle Sinne gefangen, und so besteht die Hoffnung, dass sich die Information verbreitet. Film erscheint hier als das Instrument einer doch recht bürgerlichen Vorstellung von Ästhetik. Für ein vermeintlich rein abstraktes Thema muss ein zuckriger Überzug gefunden werden, um es konsumierbar zu machen. Ästhetik heißt dann, etwas in eine schöne Form zu gießen, die die menschlichen Sinne anspricht. “Water makes money” degradiert den Film zu einer beliebig verfügbaren Universalform, die jedem Inhalt schmeichelt. Könnte es eine umfassendere Bankrotterklärung vor dem Filmemachen geben? Dabei misstrauen die Filmemacher ihrem ästhetischen Ansatz offenbar selbst so weit, dass sie einer dramatisierenden Hintergrundmusiksoße bedürfen, um die weniger Bild-Fixierten bei der Stange zu halten. Das alles tut dem Anliegen keinen Abbruch, dem Film, zumal dem Dokumentarfilm schadet es hingegen und das ist traurig.
