Hunde aus Samt und Stahl – Romuald Karmakar, 1989
Wenn in einem Film über Menschen Tiere eine tragende Funktion haben, so bricht sich in ihnen die Unzulänglichkeit menschlichen Daseins in ihre Facetten. Bressons Esel Balthazar wird zum Leidensträger der Bösartigkeit seiner Umgebung. Durch seine Erniedrigung scheinen die Menschen alles Schlechte in ihn zu versenken und machen es so doch erst sichtbar. Weil Vollkommenheit für Tiere im Grunde keine Kategorie ist, bieten sie sich ihr sonderbarerweise als Projektionsfläche. Reine Unschuld des Esels und das vollkommene Böse im Hai, der weißen Bestie.
Die Pittbulls bei Karmakar sind aus “Samt und Stahl”. Offenbar gehören sie beiden Sphären an und stehen damit zwischen den Zuschauern und den Protagonisten des Films, ihren Herrchen, auf die nichts weniger passt, als dieser Diminutiv. Jene fürchten die Bestie im Pitbull, während diese keinen treueren Freund kennen. Der Film konzentriert sich ganz auf die sehr eigentümliche Beziehung der Männer zu ihren Hunden. Es ist, als machten sie sich im Tier ein vollkommeneres Bild ihrer eigenen Männlichkeit und als fänden sie dann etwas, was sie bei “den Menschen” nicht bekommen: Freundschaft, vielleicht sogar Liebe.
Das Bild, welches wir uns von den Protagonisten machen in diesem Film, scheint ganz aus ihrer Umgebung aufzusteigen. Diese wirkt in den meist festen Einstellungen wie das Setting zu einer Handlung, die verborgen bleibt. So der Hafen des ehemaligen Fremdenlegionärs, die Umkleidekabine des Ex-Boxers, so auch der Laden für Muskelaufbaupräparate, in dem der Besitzer als Prototyp seiner Kundschaft auftritt. Bewegt sind allein die Aufnahmen der Hunde, deren Hecheln die Tonspur dominiert. Aber was für eine Bewegung ist das? Gemessen an den geradezu mystischen Erwartungen der Männer wirkt sie ziel- und sinnlos. Minutenlang verbeißen sie sich in Autoreifen, hängen an Ästen, wiederholen den immer gleichen Sprung oder Lauf.
Es gibt also genau zwei Bildfelder, Bewegung und Bühne, Projektionsfläche und Projektion, tierische Laute und menschliche Artikulation. Es ist ein kleiner dualer Aufbau, aber ein sehr präziser. Diese Präzision gibt dem Betrachter die Möglichkeit klare Begriffe zu bilden zu dem was er sieht. Ein kleiner Film zwar, ein Kabinettstück, aber eines, das das Denken entzündet und mühelos trotz des sehr begrenzten Sujets zahlreiche Fragestellungen anstößt.