Die Frau ohne Eigenschaften in einem austauschbarem Kaufhaus, für die Zukunft nur die Ehe und aus der Vergangenheit keine Spuren: Das ist das Inventar dieses ungewöhnlichen Dokumentarfilms.

Aus den intonationslosen Sätzen der Verkäuferin lässt sich kein Portrait formen und in den glatten Oberflächen der Warenwelt findet sich kein spezifisches Milieu. Stattdessen filtert Helma Sanders-Brahms aus dieser Inhaltsleere die gesellschaftlichen Kräfte, die solche Ödnis bedingen. Einzelne Sätze und Fakten werden stechen ihr und uns besonders ins Auge. Sie werden, teils mehrfach, als Zwischentitel eingeblendet:

„Gepflegt sein ist umsatzfördernd“

„Pro Tag neun Stunden stehen“

Wenn Angelika Urban in buchhalterischer Genauigkeit den Ablauf ihres Tages beschreibt, laufen dazu asynchron Beobachtungen ihres Arbeitsalltags. Dieser wird dominiert vom Kaufhaus mit seinen Waren und von Kundinnen, die diese betasten. Hinzu kommen Großaufnahmen von müden Dienstgesichtern oder erschöpften Füßen, die für einen Moment aus Stöckelschuhen fliehen.

Deutlich wird der Zwang, den das Konsumspektakel seinen Dienerinnen auferlegt. Es gibt nicht viel Spielraum bei 400 DM Lohn. Dass Frau Urban keinen anderen Lebensinhalt zu kennen scheint als Familie und Herd, ist dem engen Korsett der Rolle geschuldet, die ihr die Gesellschaft auf den Leib geschneidert hat. Die Sprecher dieser Gesellschaft treten als Abteilungsleiter, Ausbilder oder Chefs in Erscheinung. Sie teilen den Verkäuferinnen wie Frau Urban ihren Ort, ihre Haltung, ihre Sprache zu und der Film entlarvt sie in dieser Haltung. Der Beruf sei genau das richtige für junge Frauen vor der Ehe, da sie hier mit Menschen in abwechslungsreichen Kontakt kämen und darüber hinaus die Welt kennenlernten, die in den Produkten repräsentiert werde. Helma Sanders-Brahms gibt sich nicht die Mühe, auf diese Herren neutral zu blicken. Sie interveniert. Eine Kamerafahrt vom Perserteppich im Zimmer des Chefs hin zu seinem bildfüllenden, Worte absondernden Mund, trägt die deutliche Botschaft: Der kann es sich leisten so zu reden.

Bemerkenswert, dass Helma Sanders-Brahms keine Beziehung zu ihrer Protagonistin zu haben scheint. Empathie spielt kaum eine Rolle. Diese Verkäuferin ist austauschbar, bloß typisch für ihre soziale Schicht. Es schadet dem Film nicht. Es ist kein Porträt einer Person, sondern ein Porträt einer historischen und gesellschaftlichen Situation und darin sehr genau und ungebrochen aktuell.